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Projektion

  

Still wohnen Augenblicke

 

Zum einen sind da die Platanen. Sie säumen unsere urbanen Strassen und Plätze und wohnen duldsam der menschlichen Zivilisation bei. Zum andern sind es die Phänomene Erinnern und Vergessen, die seit Jahren mein künstlerisches Schaffen prägen. Die Werkserie „Still wohnen Augenblicke“ ist in poetischer Weise dem rätselhaften Vorgang des Erinnerns gewidmet.

Auf ausgebleichten Blattgerippen und Zellstrukturen von Platanenblättern erscheinen Projektionen von Eindrücken und Bildern, die sich während vergangener Tage in uns eingeprägt haben mögen. Was bleibt vom verblühten Sommer, was treibt weiter, was verschwindet in der Dunkelkammer des Vergessens und ist dennoch immer noch irgendwo darin wohnhaft? Unter welchen Bedingungen prägt sich dieser eine Augenblick ein und wie entstehen in der Erinnerung unterschiedliche Versionen davon?

 

Die Fotografien bilden einen Augenblick des Erinnerns ab und werden konsequent nicht nachbearbeitet. Drei Elemente bestimmen die Aufnahmen: Der Erinnerungsträger – ein welkes Platanenblatt, die Erinnerung selbst als Bildinhalt und gebündeltes Licht, das die Erinnerung färbt oder ausbleicht.  

 

In der 45-teiligen Werkserie sind vielgestaltige Momentaufnahmen versammelt, die teils mehrfach auftauchen. In ähnlicher Weise, aber nie gleich: Die Betrachtenden stossen immer wieder auf irgendwie Bekanntes und gleichzeitig auf Neues.

Die fotografierten Kleinszenerien mit welkem Laub spüren zudem der Ästhetik von Vergehen und Welken nach und beleuchten bewusst das andere Ende von Werden, Wachstum und Optimierung.

 

Still wohnen Augenblicke  1 – 45 │ Auswahl │2016

auf MDF, versiegelt, 32.5  x 26 cm